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Der Wiener Grant

January 20th, 2011 Leave a comment Go to comments

2005 01 13 xxl Dienstmann 190x190 Der Wiener GrantLetzte Woche haben wir uns mit dem Wiener Schmäh auseinandergesetzt. Ähnlich eng ist mit dem Wiener sein Grant verbunden. Zuerst müssen wir uns natürlich diesen Ausdruck übersetzen, der in Bayern und Österreich gerne verwendet wird. Grantig zu sein bedeutet: übel gelaunt und unmutig zu sein. Ein nörgelnder Misanthrop also, der ewig an allem und jedem etwas auszusetzen findet. Das ist natürlich ein Klischee, aber wer wäre der Wiener, wenn er nicht gerne nach außen hin dieses Klischee perfektionieren würde. Besonders gepflegt wurde der Typus des Grantelnden im Theater und in Romanen, berühmt sind etwa die Stücke von Johann N. Nestroy, Ferdinand Raimund oder Moliére. Es gibt auch Schauspieler, die unvergesslich komisch den Grantelnden mimen, Karl Valentin, Hans Moser oder Otto Schenk. In Wien findet man diesen Typus noch in alten Kaffeehäusern.

Kommen wir aber zum Charakter des Grantelnden. Man müsste nach dieser Definition schließlich annehmen, dieser wäre besonders unsympathisch. Die Liebenswürdigkeit (siehe Der Wiener Schmäh!) versteckt sich aber im Detail. Der Grant ist nämlich eine eher philosophische Haltung, keine grundsätzliche Ablehnung von Allem und Jedem. Man nimmt das Leben eher gemütlich, aber äußerst realistisch. Karl Valentin hat einmal über den Optimisten gesagt: “Optimist: ein Mensch, der die Dinge nicht so tragisch nimmt, wie sie sind”. Man sieht also, dass der Grantelnde keineswegs negativ eingestellt ist. Der Grant richtet sich auch nicht gegen Einzelpersonen oder Gruppen, insbesondere nicht in politischer Hinsicht. Man ist allumfassend kritisch und ein klein wenig subversive Tendenzen gehören auch dazu. Wie man in einem bayrischen Lexikon lesen kann, ist der Grant vor allem ein Ventil für die wohl bewusste politische und private Ohnmacht: Man weiß, das man gegen Windmühlen anläuft, daher schafft man sich seinen eigenen, wenn auch nur verbalen, Freiraum. Eine Unterkategorie des Grantlers ist der „Suderer“, ein hauptsächlich in Österreich benutzter Ausdruck. Diese Suderanten, wie sie auch genannt werden, sind die unerfreuliche Abart des Grantlers: Tatsächlich unzufrieden, grundsätzlich pessimistisch und auf pedantische Weise nörgelnd.

Wer Lust hat, sich einen wildgewordenen Grantler einmal in Natura und aus sicherer Entfernung zu beobachten, dem sei die gerade laufende Vorstellung im Volkstheater empfohlen: Der Alpenkönig und der Menschenfeind von Ferdinand Raimund.

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