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Der Wiener Schmäh

January 8th, 2011 Leave a comment Go to comments

Nestroy als tratschmiedl Fr.Gaul 1866 190x190 Der Wiener SchmähViele werden sich fragen, was das überhaupt ist, ein „Schmäh“. Eine Definition haben wir bis heute nicht gefunden, vermutlich weil das Wort zu tief im Dialekt verwurzelt ist und zu viele Bedeutungen hat. Aber wir versuchen es trotzdem, in Kurzform: „Schmäh“ ist eine bestimmte Form von Humor, „der Schmäh“ ist ein Scherz (meist mit einer etwas boshaften oder deftigen Pointe), „Schmäh führen“ kann aber auch heißen, jemanden bewusst (aber nicht boshaft gemeint) in die Irre zu führen. Die Sache mit dem Wiener Schmäh ist also kompliziert! Oder doch nicht?

Wer etwas Zeit in Wien verbracht hat, merkt schnell das diese Stadt vor allem von „Zugereisten“, also Menschen aus den anderen Bundesländern und diversen Ländern bewohnt wird. Im Allgemeinen wird ein melodisches Deutsch gesprochen, das dem Hochdeutschen ähnelt und auch für alle Lernenden gut zu verstehen ist. Aber hin und wieder begegnet man doch noch einem Ur-Wiener, mit all seinem Charme, seiner bissigen, aber liebenswert lächelnden Art. Eine Prise schwarzer Humor wird darüber gestreut und auf den Mund gefallen ist dieser Wiener ganz bestimmt nicht. Der Wiener ist eine ganz besondere Gattung, direkt und gleichzeitig sprachlich so gewandt wie ein Korkenzieher. Den Zugereisten aus den Bundesländern nennt er bruderschaftlich „Gscherta“ – das ist ein Uneingeweihter, einer vom Land. Bezeichnenderweise nennt man am Land auch die Wiener „Gscherte“ und meint damit genau das Gegenteil – die „Komischen“ aus der Stadt.
Ursprünglich war der Wiener Schmäh die Umgangssprache der Bediensteten, Wäscherinnen oder Tagelöhner, die sich damit von den Bewohnern der inneren Stadt, den Beamten und der Geistlichkeit abgrenzten. Diese versuchten den Kaiserhof zu imitieren und drückten sich entsprechend vornehm aus. Auch heute kann man diesen leicht nasalen, nach Hochdeutsch klingenden Innenstadtdialekt noch hören. Der Wiener Schmäh war und ist also mehr als ein Dialekt, er ist auch eine Denkform, eine Identität. Heute hört man ihn vor allem bei Kellnern (nicht wundern, wenn diese ein wenig unfreundlich sind. Das gehört zum Service!), bei Fiaker- oder Taxifahrern. Einer der ersten, die den Wiener Schmäh auch salonfähig machten, war Johann Nestroy, der das hübsche Bild dieses Beitrags ziert. Er war ein Schauspieler und schrieb direkte, boshaft-unterhaltsame Stücke, in denen er vor allem Figuren aus der Unterschicht auftreten ließ. Mit dieser scheinbar harmlosen Oberfläche, schaffte er es in der Zeit des Vormärz die Zensur zu umgehen, und politische Satire auf die Bühne zu bringen. Soviel also zum Wiener Schmäh. Und nächste Woche widmen wir uns einer weiteren Wiener Eigenart: Dem „Grant“.

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